Die Feuerwehr in Zeiten von Covid-19

4. November 2020
Jugend Aktive Verein Fireheroes
Wie in fast allen Bereichen unseres Lebens hat die Corona-Pandemie auch massive Auswirkungen auf die Arbeit und den Dienst in unserer Freiwilligen Feuerwehr Thalmassing.

Der Übungsbetrieb kann seit März gar nicht oder nur mit Einschränkungen durchgeführt werden. So war über den Sommer die Zahl der Teilnehmer pro Übung auf Gruppenstärke (9 Personen + Übungsorganisator) beschränkt, bevor es im Herbst im Zuge des Lockdown-Light wieder in die vollständige Einstellung des Übungsbetriebs ging.

Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft und Gesundheit oberstes Ziel

Im Einsatzfall haben die Einsatzkräfte Masken zu tragen, dies kam bei unserer Feuerwehr auch schon vor der allgemeinen Maskenpflicht in Deutschland zur Anwendung. Abstände sind nach Möglichekeit genauso einzuhalten wie in allen Bereichen des Lebens. Die Fahrzeuge und benutzten Einsatzmittel sind im Anschluss eines jeden Einsatzes zu desinfizieren. Ein erheblilcher Mehraufwand bzw. Einsatzbetrieb unter erschwerten Bedingungen also. Nichts desto trotz wuden diese bei allen bisherigen Alarmierungen von unseren aktiven Kameradinnen und Kameraden aktzeptiert und zum Eigenschutz und Schutz der Kolleginnen und Kollegen so durchgezogen. Oberstes Ziel ist die Gesundheit unserer Einsatzkräfte und die Auftrechterhaltung unserer Einsatzbereitschaft!

Im Bereich der Nachwuchsarbeit sieht bzw. sah es ähnlich aus. Bis einschließlich Juni wurde hier ebenfalls der komplette Betriebs eingestellt, was den Verantwortlichen einige Sorgenfalten auf die Gesichter trieb. Fragen wie "Werden unsere Jugendlichen und Kinder auch nach Wiederaufnahme des Übungsbetriebs wieder so zahlreich wie zuvor zu uns kommen" oder "Hat die Corona-Pandemie Auswirkungen auf die gute Kameradschaft in unseren Gruppen" wurden sich oftmals gestellt. Zumindest bisher relativ unbegründet, wie sich im Nachhinein heraus stellen sollte. Ein gutes Beispiel sind 31 Teilnehmer bei der Abnahme der Jugendflamme unserer Kinderfeuerwehr im September - natürlich aufgeteilt in meherere Gruppen, damit die Corona-Schutzmaßnhamen eingehalten werden konnten. Auch die Jugend ist nach wie vor fleißig mit dabei, was sich beispielsweise an neun Teilnehmern beim Wissenstest im Oktober zeigte.

"Alternativen" sind gern gesehen, können "normales" Feuerwehr- und Vereinsleben aber nicht ersetzen

Um den Kontakt zu Aktiven, Jugendlichen und Kindern nicht abreißen zu lassen, ließen sich die Kommandanten, Jugendwarte und Betreuer Alternativen einfallen. So wurde im Kinder- und Jugendbereich die "Kontenchallenge" ins Leben gerufen - sozusagen Feuerwehr-Kontenkunde im Home-Shooling. Die Ergebnisse wurden jeweils in Videos zusammengeschnitten und auf den Social-Media-Kanälen der Feuerwehr Thalmassing veröffentlicht. Für die Aktiven wurde ein Anreiz zur körperlichen Fitness geschaffen. Wie viele andere Vereine und Organisationen rief die Feuerwehr Thalmassing am 1. Mai, dem Tag an dem unter normalen Unständen die Aufräumarbeiten zum Maibaumaufstellen stattgefunden hätten, den "Sposaulauf" aus. Die Aktiven hatten fünf Wochen Zeit, um insgesamt 1.000 km und somit ein "Sposau-Essen" zu erlaufen. Dokumentiert wurde das mittels App auf deren Handys. Als sich herausstelle, dass das Ziel locker erreicht werden wird, legte Kommandant Thomas Scharl noch eins nach und stelle ein 50-Liter-Fass bei 2.000 erreichten km in Aussicht. Auch dieses Ziel wurde erreicht. Nur durchgeführt werden konnte das Fest aus bekannten Gründen bisher leider noch nicht. Nachgeholt wird dies zu gegebener Zeit aber auf jeden Fall. Auch auf die beliebten Veranstaltungen wie Sommernachtsfest oder Weihnachtsfeier mussten bzw. müssen unsere Aktiven heuer leider verzeichten. Am regen Schriftverkehr in der Feuerwehr-Whats-App-Gruppe am 30. April - dem Tag, an dem in Thalmassing unter normalen Umständen traditionell der Maibaum durch die Feuerwehr aufgestellt wird - sah man, wie sehr es vielen von uns weh tat, dass heuer kein Baum aufgestellt werden konnte.

Wenn man dem Ganzen etwas Positives abgewinnen möchte, so kann erwähnt werden, dass die Pandemie auch Lerneffekte nach sich zog und zieht. Wer hätte sich Anfang 2020 vorstellen können, dass sich die Kommandanten, Gruppenführer, Jugendwarte oder Betreuer der Kinderfeuerwehr über Tools wie Zoom oder Skype virtuell zu Versammlungen treffen. Wenn zu dem Zeitpunkt jemand gesagt hätte, dass die (bis dato) letzte interne Planungsrunde unserer "Planungsgruppe-Gerätehaus" via Zoom stattfindet und Wände und Mauern auf dem Bildschirm verschoben werden - wir hätten ihn wahrscheinlich für verrückt erklärt. 

Gedanken über weiteres Anhalten des aktuellen Zustandes

Gedanken, wie lange die aktuellen Zustände noch anhalten, macht man sich trotz aller Maßnahmen, Alternativ-Programme und teilweisen Lockerungen natürlich trotzdem. Wie lange kann eine Freiwillige Feuerwehr seine Leute, die ohne jeden Zweifel DIE Stütze und das größte Gut einer solchen Organisation sind, unter diesen Umständen im gewohnten Maße bei der Stange halten. Wie lange kann man unter den (wenn überhaupt) eingeschränkten Übungsgegebenheiten den Ausbildungsstand hoch halten. Wie soll die Nachwuchsgewinnung in der (nahen) Zukunft aussehen, wenn keine Veranstaltungen durchgeführt werden können, bzw. derzeit natürlich auch unsere "Haustürwerbung" nicht möglich ist. Dies alles sind Gedanken, die sich natürlich nicht nur wir in Thalmassing machen müssen, dennoch liegen uns diese Bedenken sehr stark im Magen...

Positives Signal von Seiten der Gemeinde

Umso erfreulicher ist es, dass der Gemeinderat Thalmassing gerade in dieser Zeit mit der Vergabe der Ausschreibung zur Anschaffung eines neuen Löschgruppenfahrzeugs LF 20 ein positives Zeichen für die Feuerwehr setzte. Psychologisch ist das sicher ein sehr wichtiger Aspekt. Vielen Dank dafür.


Eckpunkte der Maßnahmen im Rahmen der Corona-Pandemie bei der FF Thalmassing

16.03.2020: Einstellung des Übungsbetriebs bis vorerst 20.04.2020 und Ausarbeitung eines Hygienekonzepts für Einsätze

16.04.2020: Weitere Aussetzung des Übungsbetriebs bis 3. Mai 2020

24.04.2020: Knotencallenge für die Jugend- und Kinderfeuerwehr

01.05.2020: Ausrufung des Sposaulauf: 1000 km (bzw. 2000 km) auf fünf Wochen für eine Sposau und Freibier

19.06.2020: Wiederaufnahme des eingeschränkten Übungsbetrieb nach vorheriger Ausarbeitung eines Hygienekonzepts. Max. 10 Teilnehmer je Übungstermin waren erlaubt.

24.10.2020: erneute Einstellung des Übungsbetriebs (u.a. auch der Jugendleistungsausbildung) aufgrund der Überschreitung des 7-Tage-Inzidenzwerts von 35 im Landkreis Regensburg

Dazwischen: Ca. ein Duzend Einsätze (bei sechs Sirenenalarmierungen) waren zu bewältigen und acht Monatsübungen mit vier Themenblöcken wurden abgehalten. Ausbildungen und Lehrgänge (z.B. MTA oder Maschinist) wurden soweit möglich zum Abschluss gebracht. Kinder- und Jugendfeuerwehr legten die Jugendflamme bzw. den Wissenstest ab.

Hoffentlich bald: Rückkehr in den Normalzustand

 

Fotos:
Bild 1: LFV Bayern
Bild 2 und 3: Freiwillige Feuerwehr Thalmassing e.V.